Pultkassen habe ich nicht in meiner Sammlung, entsprechend sind meine Ausführungen zu dieser Bauform nicht sehr ausführlich. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um meist eckige, recht flache Geräte mit mindestens einer Schublade und meist einer Einrichtung für manuelle Aufzeichnungen.

Allgemein festzuhalten ist, dass eine Pultkasse nicht zwingend älter als eine technisch aufwendigere rechnende Kasse ist, vielmehr wurden beide Gattungen über Jahrzehnte parallel angeboten und es gab zwischen diesen beiden Produktgruppen nicht unerhebliche Preisunterschiede.

Hinsichtlich Pultkassen, besonders den hölzernen, existierte um die Jahrhundertwende und bis zum ersten Weltkrieg die wohl größte Vielfalt an kleinen, mittleren und größeren Herstellern, schließlich bedurfte es gerade für den Bau einfacher Modelle weit weniger Infrastruktur, unterschiedlicher Fertigungsmaschinen etc. als für den Bau aufwendiger rechnender Maschinen mit hunderten bis sogar tausenden Einzelteilen in jeder Kasse.

Lediglich von Martin-Kassen Berlin und National (hauptsächlich, um diese Konkurrenz zu schwächen) gebaut wurden Pultkassen mit verziertem, komplett gusseisernem bzw. selten sogar bronzenem Gehäuse. Diese Modelle waren bei beiden Herstellern teils recht aufwendig und boten nicht nur den üblichen Kontrollstreifenmechanismus für manuelle Aufzeichnungen, sondern kurbelbetriebene Bondruckwerke mit Firmenklischee (!), aber natürlich ohne maschinell aufgedruckten Betrag. Auch gab es zumindest von Martin Maschinen mit zwei Schubladen für zwei Bediener.

Eine Ausnahme unter den Pultkassen stellt die Schweizer Maschine Soletta aus Solothurn da: Aus Gusseisen in vernickelter Hammerschlagoptik gefertigt, enthält sie filigrane Einstellhebel (bis 999,99), ein Zählwerk und je nach Modell eine Druckeinheit. Diese Funktionen werden wie bei der hierzulande seltenen amerikanischen NCR-Klasse 1000 rein durch die beim Hineinschieben der Schublade entstehende Federenergie angetrieben und die Einstellhebel im selben Arbeitsgang auch automatisch rückgestellt.

Auch zwischen den beiden Weltkriegen und in der Nachkriegszeit wurden allerhand Pultkassen gebaut, der Hersteller Mogler ist (mit Modellen für die Montage unter dem Thresen) sogar noch heute Aktiv. Aufgrund der Zuordnung der meisten Modell sowie sowohl der technisch aufwendigsten als auch der optisch interessantesten Stücke zur Jugendstilzeit führe ich diese Kassengattung jedoch bei den Jugendstilkassen.

Die meisten Pultkassen haben nicht viel Mechanik in ihnen, die ich reparieren könnte, Ausnahme sind Modelle von Martin, Soletta, Anker und National. Auch optische Restaurierungsarbeiten sind jedoch möglich, kontaktieren Sie mich gern.