Unter diesen Begriff fasse ich sämtliche vor dem ersten Weltkrieg gebauten Registrierkassen, von denen der weit überwiegende Teil reich verzierte Gehäuse aus Bronze, Messing oder Gusseisen besitzt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die meisten der damals modernen Gehäusedesigns, so unterschiedlich sie sind, dem Jugendstil zuzuordnen sind. Im Folgenden behandle ich lediglich Kassen der größten und in Europa bedeutsamen Hersteller dieser Zeit.
Die meisten Kassen aus der Jugendstilzeit haben gemein, eines oder mehrere Umsatzzählwerke zu besitzen, die manuell mitels verschiedener Schlüssel abgelesen und nullgestellt werden können. Dem sonstigen Funktionsumfang in puncto Druckwerksleistungen, Schubladenanzahl und Gehäusedekor waren im Rahmen des damals Möglichen kaum Grenzen gesetzt. Bei National (NCR) waren ab 1906 auch elektrische Antriebe erhältlich. Entgegen häufiger heutiger Mutmaßungen war die Option eines Motorantriebs für Jahrzehnte nicht eine Frage des technischen Entwicklungsstandes, sondern dessen, wieviel der Kunde für eine Kasse ausgeben wollte und konnte. Um es plakativ darzustellen: Man konnte 1910 eine Kasse mit elektrischem Motor kaufen, während Anker und NCR noch 1970 Einstiegsmodelle ohne einen solchen Antrieb im Programm hatten. Am längsten wurden die verzierten Modelle von NCR und Anker gebaut, in Berlin bzw. Bielefeld jeweils bis etwa 1915 (im Stammwerk Ohio von NCR bis ca. 1917). Bedingt durch den ersten Weltkrieg wurde die Verwendung von Stahl, Bronze und Messing für nicht kriegswichtige Güter stark eingeschränkt, auch wurden etliche bestehende Kassen und zuvorderst die Kopfschilder zu militärischen Zwecken eingeschmolzen.
Auch nach Ende des ersten Weltkrieges wurden (bis auf wenige Ausnahmen) nie wieder verzierte Kassen im Jugendstil gebaut, was sie in der Gesamtheit heute zur mit Abstand gesuchtesten Art historischer Registrierkasse macht. So bin ich Teil einer kleinen Sammlergruppe, die abgesehen von mir fast ausschließlich Gründerzeitkassen sammelt, restauriert, kauft und verkauft und kaum Interesse an den jüngeren Maschinen mit Blechgehäusen hat.
Einige meiner Sammlerfreunde sind komplett auf Gründerzeitkassen spezialisiert, während diese schönen Maschinen nur einen recht kleinen, aber wachsenden Teil meiner eigenen Sammlung ausmachen. Aus Erfahrung ist es unter dem Strich bedeutend günstiger, eine komplette und funktionstüchtige Maschine beim Fachmann zu kaufen, als mich mit der Überholung einer (üblicherweise unvollständigen und überholungsbedürften) Kasse von eBay oder Kleinanzeigen zu beauftragen. Wenn Sie eine Jugendstilkasse im instandgesetzten Zustand zu einem fairen Preis von einem von uns Sammlern kaufen möchten, senden Sie mir gern eine Anfrage.



